Matisse. 1941-1954 im Grand Palais – Farbenrausch und Leichtigkeit

Wer gerade im Grand Palais unterwegs ist, sollte sich diese Ausstellung auf keinen Fall entgehen lassen: Rund 300 Werke von Henri Matisse nehmen einen mit auf eine Reise durch Farbe, Form und Lebensfreude.
Ich habe die Ausstellung im Rahmen einer visite guidée besucht – und das kann ich wirklich nur empfehlen. Man entdeckt dadurch Details, die man sonst vielleicht einfach übersehen würde.
Eine Sache, die mir besonders hängen geblieben ist: Bei Matisse ist der Hintergrund genauso wichtig wie der Vordergrund. Oft verschwimmen die Ebenen sogar – Muster, Farben und Formen greifen ineinander, sodass man gar nicht mehr genau sagen kann, was „Hauptmotiv“ ist. Und wenn ihm ein Motiv gefallen hat, hat er es nicht einfach einmal gemalt und abgehakt – sondern immer wieder neu interpretiert. Fast wie eine Serie, bei der er mit Farben und Formen spielt und ausprobiert, was alles möglich ist.
Ein spannender Abschnitt der Ausstellung dreht sich um die Zeit nach dem Krieg. 1946 veröffentlichte Matisse ein Buch mit etwa 20 Gouachen – ein großer Erfolg. Und man versteht auch warum: Nach den schweren Jahren wirkt diese Explosion an Farbe fast wie eine Befreiung. Seine späteren Arbeiten, vor allem die Scherenschnitte, haben etwas unglaublich Leichtes. Weniger Pinsel, mehr direkte Arbeit mit Farbe und Form – fast wie Zeichnen mit der Schere.
Ein weiterer schöner Einblick: seine Reise nach Tahiti. Danach tauchen ganz neue Motive auf – Fische, Algen, Quallen, Vögel. Man merkt richtig, wie ihn diese Eindrücke geprägt haben. Besonders spannend fand ich, dass diese Motive später nicht nur in seinen Bildern auftauchen, sondern auch auf Stoffen. Seine Kunst geht also über die Leinwand hinaus und wird fast schon Teil des Alltags.
Die Ausstellung im Grand Palais ist mehr als nur eine Sammlung von Werken – sie zeigt, wie konsequent Matisse mit Farbe gedacht und gearbeitet hat.
Was mir am meisten gefallen hat: diese Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe. Alles wirkt spielerisch, aber gleichzeitig steckt unglaublich viel Überlegung dahinter. Und genau das macht den Besuch so besonders – man geht raus und sieht die Welt plötzlich ein bisschen bunter.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Juli.
Grand Palais, 75008 Paris